Sinn des Lebens? Google weiß was!

Der Sinn des Lebens? Google weiß was!
Wandtattoo-Welt trifft Twitter-Hölle: Rahmen von @ bojanabo | depositphotos.com

Aufwachen, arbeiten, einkaufen, schlafen. Und einmal im Jahr am Strand von Uvita baden. Das kann doch nicht alles gewesen sein.

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Athene, Tyche, die Horen, Atropos oder doch lieber gleich Zeus? Während alte Griechen auf der Suche nach dem Sinn des Lebens die Qual der Wahl hatten, weiß ich heute ganz genau, welchen Gott ich fragen muss. Das Thema scheint komplex zu sein, schließlich liefert Google rund 44.000.000 Antworten. Unzählige Wandtattoo-Weisheiten anästhe(ti)sieren mich: „Liebe und werde geliebt“, „Folge deinem Herzen“, „Erkunde die Welt“, „Sei einfach nur glücklich“. Oh my Google, lass uns eintauchen in die Welt der Trolle, Verschwörungstheoretiker, Polarisierer und Alleinunterhalter! Ab auf die höllische Seite:

Twitter, was ist der Sinn des Lebens?

Hol das beste aus mir raus, komm ich gehe pumpen

Nicht mal den Weg zur Dusche finden

Elefantensteak essen, Wasserrutschen testen

Muss ich ins Fitnessstudio, Elefantenfleisch essen oder sogar regelmäßig duschen, um den Sinn des Lebens zu finden? Zum Glück nicht, denn …

Dem Leben einen Sinn geben

Das Leben hat also keinen Sinn, ich muss ihm (irgend)einen verleihen!

Geile, zeig Sinn des Lebens

Da die Qualität der Frage die Qualität der Antwort bestimmt, befrage ich erneut den digitalen Gott und finde … „Dem Leben einen Sinn geben“ auf wikiHow. wikiHow ist, so Knowledge Graph, eine Website für Tutorials und Howtos nach dem Wiki-Prinzip, die von sich selbst behauptet, Anweisungen und Tipps von A bis Z parat zu halten. Bekannt durch Klassiker wie „Kristalle mit Energie aufladen“, „Eine Toilette mit einer Rohrreinigungsspirale reinigen“ oder „Umgang mit dummen Leuten“.

Verändere deine Lebensperspektive

Entdecke den Sinn und Zweck deines Lebens.

wikiHow empfiehlt, verschiedene Dinge auszuprobieren: Einen Fotokurs besuchen oder Nachhilfe geben – eben das auf Probe machen, was man schon immer einmal tun wollte. Habe ich gar keine Ahnung, wohin mich die Zukunft verschlagen soll, könne ich ebenso meine Stärken und Talente erforschen. Oder mir die Zeit nehmen, jeden Tag alle Ereignisse zu notieren, die mir das Gefühl eines tieferen Lebenssinns vermitteln.

Am besten fand ich die Aufgabe:

„Stelle dir vor, dass du bereits sehr alt bist und rückblickend dein Leben betrachtest. Welche Art von Leben hättest du gerne gelebt?“

Ein abwechslungsreiches Leben, das weniger aus Dinge-müssen, sondern mehr aus Sein-lassen bestanden hätte. Eins, das mich wie ein Fluss umspült und kleinen Glücksmomenten eine Handbreit Wasser unterm Kiel gelassen hätte. Ein berauschendes eben, ohne fesselnde To-do-Poller. Mal wache ich auf in meinem Bett – neben dem Mann, den ich liebe. Mal allein auf einem Campingplatz in Malcesine. Nachdem ich einen Kaffee getrunken habe, entscheide ich, wie der Tag verlaufen soll. Niemand verpflichtet mich dazu, bestimmte Aufgaben zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort zu erledigen. Heute schreibe ich einen Blogpost für dich, einen Text für einen Kunden und vielleicht sogar eine Kurzgeschichte für mich. Aber immer lerne ich dazu, verbessere mich. Immer mehr verlasse ich mich auf meine Stärken, nutze mein volles Potenzial. Morgen besteige ich den Gipfel des Monte Baldo, plaudere mit selbstverliebten Orchideen und fröhlichen Windröschen, genieße die Stille Kopf an Kopf mit dem introvertierten Edelweiß. Klettere mit Freunden, besuche mit meiner Familie ein Museum. Abends binge ich Stranger Things oder kaufe eine weitere Flasche Wein, um das pseudophilosophische Gespräch mit Fremden zu vertiefen.

Collage aus Bildern meiner Träume
Mein Wunschleben. Bilder von depositphotos.com und pixabay.com. Collage erstellt mit fotor.com.

Finde heraus, was dir wichtig ist.

Trautes Eigenheim, beruflicher Erfolg oder ausgedehnte Weltreise – jeder Mensch hat einzigartige Prioritäten. Um meinem Leben einen tieferen Sinn zu verleihen, muss ich zunächst herausfinden, welche Werte mir persönlich wichtig sind. Ich erstelle eine Fünf-Punkte-Liste und prüfe, ob mein Leben mit diesen Idealen übereinstimmt: Freiheit, Selbstverwirklichung, Liebe, Kreativität und Unabhängigkeit (die Reihenfolge ändert sich nach Gemütszustand).

Auf vernuenftig-leben.de entdecke ich einen zehnminütigen Online-Test, der auf anschauliche Weise daunenweiches Wunschleben und bodenharte Realität gegenüberstellt.

Grafische Darstellung Wunschleben vs. Realität
Oh je, läuft gar nicht bei mir. „Was will ich wirklich im Leben? (Test)“ auf vernuenftig-leben.de.

Mein Ergebnis: Es bestehen größere Defizite – vor allem in den Bereichen Freiheit, Spontanität, Leichtigkeit, Selbstbestimmung und Kreativität.

Warum lebe ich nicht so, wie ich es möchte? Glaubenssätze!

Glaubenssätze sind unterbewusste Überzeugungen, die aus der Bewertung vergangener Erlebnisse entstehen und mein Leben bis heute beeinflussen.

Das können gut gemeinte Ratschläge sein …

Geh doch einfach mal zur Gartenparty deiner Nachbarn, das wird bestimmt lustig. Mit Kunst kann man kein Geld verdienen – such dir einen vernünftigen Job. Bewegung an der frischen Luft wird dir guttun.

… aus denen mein Gehirn folgendes machte:

Tue ich nicht genau das, was andere von mir erwarten, werde ich bald allein dastehen. Ich kann nicht schon wieder einen Job kündigen, wie sieht das denn in meinem Lebenslauf aus – irgendwann nimmt mich keiner mehr. Ich muss rund um die Uhr aktiv sein, sonst könnte mensch denken, ich wäre faul. Oder unbeliebt. Oder seltsam.

Das können Erfahrungen sein …

Vor zwei Tagen saß ich in einem Café. Nachdem ich bezahlt hatte, wollte ich gehen – jedoch vorher auf Toilette. Da es dort nur eine einzige gab, und diese verstopft war (wie sie im Detail aussah, überlasse ich deiner Fantasie), verließ ich den Laden ohne ein Wort. Im Nachhinein betrachtet eine vollkommen irrationale Reaktion. Auf die Idee, der Kellnerin einfach zu sagen: „Hey, eure Toilette ist verstopft. Darf ich das Männerklo benutzen?“ bin ich in nicht gekommen. Mein Hirn schaltete auf Autopilot. Ergebnis: Ich musste immer noch pinkeln, ein Gast machte auf die Misere aufmerksam, die Kellnerin glaubte aufgrund meines Abgangs erst recht, ich hätte was damit zu tun.

Glaubenssätze auflösen – so geht’s!

Erkennen │ Gehe systematisch vor

Welche Glaubenssätze habe ich? Fallen mir zum Beispiel spontan Redewendungen ein, die mich täglich begleiten oder Situationen, in denen ich mich regelmäßig unwohl fühle? Dann schreibe ich sie auf – dahinter verbergen sich Glaubenssätze.

Ich werfe einen Blick auf die Liste. Die eine oder andere Einstellung ist Blödsinn? Durchstreichen. Die restlichen lese ich laut vor beziehungsweise lasse sie mir von einem Menschen vorlesen, dem ich vertraue.

Mein Glaubenssatz, nennen wir ihn Lars, rät mir: Duck dich lieber, sonst denkt noch jemand, du seist schuld. Wann schlich sich der kleine Stinker unbemerkt in meine Gedanken? Habe ich mich in der Vergangenheit schon mal zu Unrecht beschuldigt gefühlt? Ich lasse hochkommende, vielleicht beklemmende Gefühle wirken und prüfe, ob dieser Glaubenssatz noch aktuell ist. Traue ich mich nicht, einer Kellnerin zu sagen, dass eine Toilette verstopft sei, ist er es noch.

Auf den Zahn fühlen │ Hinterfrage den Glaubenssatz

Bist du wirklich (immer) wahr? Eigentlich nicht. Schließlich gab es schon Situationen, in denen ich auf einen Missstand hingewiesen habe und die Beteiligten sogar dankbar dafür waren.

Wie wäre mein Leben ohne dich? Ich könnte, ohne mich als Überbringer schlechter Botschaften selbst köpfen zu wollen, eine Verbesserung veranlassen. Und immer, wenn eins in der Nähe ist, aufs Klo.

Ab sofort werde ich versuchen, meine Bedürfnisse rechtzeitig zu artikulieren. Und dreimal darfst du raten, worauf ich zukünftig meine Aufmerksamkeit NICHT richten werde: auf das, was (ich denke, dass) andere über mich denken.

Finde ich keine Gegenbeweise, drehe ich die Frage um: Könnte es sein, dass meine Anmerkungen manchmal wichtig sind? Ganz gleich, welche Glaubenssätze mich beeinflussen, ich gehe ihnen solange auf die Eier bis sie – wie mein AfD-wählender Onkel – mein Gedankenhaus verlassen.

Umwandeln │ Aus „Duck dich“ wird „Sag deine Meinung“

Jetzt muss der frische Glaubenssatz nur noch in meinem Unterbewusstsein verankert werden. Und meiner Meinung nach macht hier Übung den Meister: Zwar kann ich mir wünschenswerte Einstellungen immer wieder ins Gedächtnis rufen, jedoch ist es eine andere Sache, übereinstimmend zu reagieren, wenn es darauf ankommt. Weil ich nun meine Schwäche kenne, kann ich in Zukunft angemessen handeln. Sollte es beim ersten Mal nicht gelingen, klappt es beim zweiten.

Woran merke ich, dass der Glaubenssatz weg ist? Lese ich ihn laut vor, fühle ich nichts. Labert Lars weiter, wiederhole ich das Prozedere erneut.

Fazit: Egal was ich glaube, ich werde recht behalten. Ich kann entweder Lars den Ton angeben lassen oder ich entscheide mich dafür, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Ohne Tatkraft kein sinnvolles Leben.

Führe Veränderungen in deinem Leben durch

Setze dir selbst ein Ziel.

Ursprünglich war es meine Absicht, sämtliche Tipps des Artikels abzuarbeiten. Woher sollte ich mir schließlich das Recht herausnehmen, im Vorfeld zu bewerten, welche Ratschläge funktionieren und welche nicht? Das wurde jedoch sehr schnell sehr umfangreich. Darum fokussiere ich mich in diesem Post darauf, Wunschleben und Realität in Einklang zu bringen. Ganz einfach, weil Themen wie:

  • „Überwinde Probleme in deinen aktuellen Beziehungen“, „Mache dir jene Dinge bewusst, für die du in deinem Leben dankbar bist“ oder „Sei mutig“ einen eigenen Blogpost verdienen.
  • „Baue enge Freundschaften auf“ beziehungsweise „Spende für einen guten Zweck“ (für mich aus verschiedenen Gründen … vielleicht geht es dir ja genauso) langfristig nichts bringen.
  • „Hole dir Hilfe“ zu wichtig sind, um sie in diesem Rahmen zu besprechen. Hier geht es darum, dem Leben einen gewissen Schwung zu verleihen – nicht darum, ein Heilmittel für Depressionen anzubieten. Wenn du womöglich in einer lebensbedrohlichen Krise steckst, wende dich bitte an fachkundige Anlaufstellen.

In der ersten Aufgabe fand ich heraus, wie mein Leben aussehen sollte. In der zweiten, welche Werte mir wirklich wichtig sind. Aufgrund dieses Wissens kann ich nun das Endziel in konkretere, überschaubarere Unterziele aufbrechen. Also nehme ich mir Auswertung des Online-Tests abermals vor. Laut diesem habe ich mehr Sicherheit, Ruhe, Ernsthaftigkeit und Nähe als ich benötige. Die Energie, die ich bisher in unerwünschte Aspekte investierte, stecke ich in Aktivitäten, die mich meinem Wunschleben näherbringen.

Ich möchte mehr Freiheit im Leben.

Kann ich mir abschminken – schließlich bringt mich Wischiwaschi keinen Meilenstein weiter.

Ein Ziel ist dann erreichbar, wenn es SMART ist.

Spezifisch │ Definiere Ziele möglichst genau

Ich benötige mehr Zeit, um meinen Leidenschaften (Bloggen, mit dem Bulli die Welt entdecken, Wandern & Co.) öfter nachgehen zu können.

Messbar │ Lege Kriterien für Fortschritte fest

Von April bis September arbeite ich nur noch vier Tage pro Woche. Eine weitere Reduktion findet im nächsten Jahr statt.

Sicherheit -1, Nähe -1, Ernsthaftigkeit -1

Akzeptiert │ Von Vorteil für alle Beteiligten

Da in den Sommermonaten erfahrungsgemäß weniger Aufträge bearbeitet werden müssen, ist die Reduktion ebenso von Vorteil für meinen Arbeitgeber.

Näähe -1, Ruhe +1

Realistisch │ Baue keine Luftschlösser

Von heute auf morgen eine erfolgreiche Autorin werden, die sowohl zeitlich als auch räumlich ungebunden Millionen scheffelt? Eher unwahrscheinlich.

Sicherheit -1, Ruhe -1, Ernsthaftigkeit +1

Termingebunden │ Heute, morgen, in drei Monaten

Jeden Tag ein bisschen besser werden, das geht. Darum schreibe ich heute an meinem Blogpost, melde mich morgen für eine mehrmonatige Fortbildung an.

Ruhe -1, Ernsthaftigkeit +1

Die übrigen Bereiche konkretisiere ich nach demselben Prinzip.

Spontanität

Was könnte ich tun, um Abwechslung in meinen Alltag zu bringen? Die Möglichkeiten des Homeoffice regelmäßig nutzen – manchmal arbeite ich einen Nachmittag in einem gemütlichen Café, manchmal mehrere Tage am Stück auf einem Campingplatz. Zudem hinterfrage ich einengende Routinen und versuche Dinge zu tun, die eigentlich nicht in meine Hamsterradtüte kommen (dafür habe ich die Selbstversuche) beziehungsweise zu lassen, falls meine Motivation lediglich auf Konvention basiert. Zum Beispiel einen Tag lang die Münze über mein Leben bestimmen lassen oder dieses Jahr nicht zum Weihnachtsgottesdienst gehen.

Leichtigkeit

Lerne den Wert glücklicher Augenblicke zu schätzen. Wem das Lächeln fehlt, dem fehlt ein Flügel. Freude ergibt sich durch die Menschen, mit denen wir uns umgeben. Wer fliegen will, muss loslassen können. Am Ende des Tages ist es wichtig, dass ein Moment dabei war, der dich lächeln ließ.

Sehr motivierende Plattitüden, aber merkst du was? Je mehr ich mich darum bemühe, Leichtigkeit in mein Leben zu bringen, umso verkrampfter wird das Ganze.

Das Leben ist kein Einhornhof, nicht jeder Monat glitzert.
@ Igishevamaria | depositphotos.com

Ab heute werde ich versuchen, mehr zu wollen und weniger zu müssen. Ist mein Energielevel gerade am Boden, sage ich Termine ab. Gewohnheiten, die keinen Joy sparken, ersetze ich langsam durch wertvollere. Niemand anderes als ich selbst kann mir das Leben erleichtern – nicht mal ein farbenfroher Schmetterling an einem wunderschönen Sommertag.

Selbstbestimmung

Um dem Hamsterrad zu entkommen, mache ich eine Bestandsaufnahme: Welche Aspekte stören mich an meinem 9-to-5-Job? Welche gefallen mir? Wo soll die Reise hingehen? Im Anschluss analysiere ich meine finanzielle Situation. Dabei geht es vor allem um die Frage: Welche Ausgaben bringen mich meinem Wunschleben näher? So verzichte ich beispielsweise auf Pauschalurlaube nach Schwellenland, um in eine Weiterbildung zu investieren. Bevor ich ganz aussteige, drehe ich zunächst etwas langsamer am Rad. Das heißt, ich schmeiße nicht von einem auf den nächsten Tag hin, sondern reduziere zum Beispiel Arbeitsstunden und/oder suche nach Einnahmequellen auf freiberuflicher Basis.

Kreativität

Kreativ sein jeden Mittwoch von 18 bis 19 Uhr – das klappt doch nie? Wenn mir der eintönige Alltag sowohl Zeit als auch Energie raubt, schaffe ich in meinem Terminkalender ausreichend Spielraum für Kreativität … und halte mich daran. Mir fällt nichts ein? Perfekt, dann langweile ich mich. Wenn mir langweilig ist, tagträume ich nämlich. Tagträume entfachen kreatives Denken. Und das führt zu originellen Ideen. Deshalb lasse ich auf Autofahrten gerne mal das Radio aus oder versuche, beim Gassi gehen die Gehirntapete zu wechseln.

Okay, der Plan steht …

Ich fange heute damit an, meinem Leben einen Sinn zu verleihen. Was sollte schlimmstenfalls passieren? Geplante Maßnahmen fruchten nicht? Dann suche ich eben einen anderen Weg. So oder so vertraue ich darauf, dass ich – jetzt, da ich weiß, wie – mein Wunschleben Schritt für Schritt erreiche. Grandioser Nebeneffekt: Mich werden auf dieser Reise zahlreiche Menschen begleiten, die eine ähnliche Einstellung haben.

Und darauf freue ich mich sehr,Jessi

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