Ich bin Jessi.

Und ich leide unter chronischer Middle-Life-Crisis. Geboren in einer mittelgroßen Stadt als Kind einer durchschnittlichen Familie schloss ich ein BWL-Studium, für das ich mich einigermaßen interessierte, mehr recht als schlecht ab. Heute erziele ich als Werbetexterin ein mittleres Einkommen, das es mir ermöglicht, zusammen mit einem großartigen Mann und fünf außergewöhnlichen Katzen (jede Regel hat ihre Ausnahme) in einem Einfamilienhaus zur Miete zu wohnen. Nach Feierabend triffst du mich zockend bei einem Glas halbtrockenen Rotwein auf der Couch. Dass ich bei interaktiven Filmen mit Action-Adventure-Elementen rund 50 Prozent aller Trophäen und Erfolge absahne, versteht sich von selbst. First World Problemeritis …

Alles irgendwie so semi, oder?

Kennst du das: Du machst dein Ding und die Zeit scheint zu rasen? Du lebst und erlebst jeden Tag einfach nur Routine? Erste Symptome meiner Middle-Life-Crisis zeigten sich kurz vor meinem 28. Geburtstag: ein bisschen Taubheit in den Fingerspitzen, ein wenig plätscherndes Bedauern in den Kniekehlen, ein sorgendes Zähneknirschen. Du machst weiter Alltag, du verdrängst Gefühl. Aber irgendwann holt es dich ein: Du hast alles, was du dir je erträumt hast, du solltest zufrieden, wenn nicht sogar glücklich sein … das bist du auch, aber du langweilst dich.

Apostroph

Wäre mein Leben ein Auto, wäre es ein VW Golf. Und das ist vollkommen okay.

Unzählige Möglichkeiten, Entscheidung unmöglich

Mein Leben war nicht immer eintönig. Ich absolvierte ein Fachabitur, begann eine Lehre zur Bauzeichnerin, bekleidungstechnischen Assistentin, Goldschmiedin. Ich lebte in Würzburg und Aschaffenburg. Ich schrieb für lokale Tageszeitungen. Ich studierte Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Magdeburg, machte ein Auslandssemester in Südafrika sowie der Generation Praktikum alle Ehre, verfasste meine Diplomarbeit in Leipzig, wohnte in einem Vorort von München, wollte in zwei mittelständischen Unternehmen eine Karriere im Personalwesen starten, versuchte mich als Altenpflegerhelferin, zog wieder Leine und um. Das Ganze in rund zehn Jahren.

Voll einkokoniert: Heute lebe ich seit Längerem am selben Ort, mache denselben Job und habe dieselben Menschen um mich herum. Um der Routine zu entkommen, hake ich regelmäßig Aktivitäten auf meiner Bulls**t-Bingo-Bucket-Liste ab: Ich verreiste verreise, ging gehe regelmäßig wandern, buchte buche Kletterkurse oder Selbstfindungsseminare, leistete leiste gemeinnützige Arbeit. Und während ich so durch mein Leben rushhoure, flüstert mir meine Mini-Me regelmäßig ins Ohr:

Bieg nicht rechts ab, sondern fahr einfach weiter. Fahr, bis du Meer siehst.

Warum meine Rauszeit?

Ganz einfach: Ich will mich dich nicht langweilen und mir dir gleichzeitig zeigen, wie man im Alltag für Abwechslung sorgt; mich dich dazu inspirieren, der Eintönigkeit bunte Akzente entgegenzusetzen. Es gibt kein schöneres Gefühl, als das eigene Leben von einem ungewohnten Standpunkt aus zu beleuchten; etwas zu wagen, das man sich nicht zugetraut hat. Flucht – den Job, die Beziehung oder die Staatsangehörigkeit kündigen – ist keine Lösung! Und außerdem ziemlich anstrengend.

Vorher / Nachher: Ich als Allegorie

Wie läuft das Ganze ab?

Ziemlich standardmäßig. Ich suche nach Inspiration bzw. Gebrauchsanweisungen im World Wide Web oder denke mir selbst etwas aus. Wenn ich eine erfolgsversprechende, sprich spannende Idee gefunden kreiert habe, folgt der Selbstversuch. Wenn dir das Ergebnis gefällt, mach es nach. Wenn nicht, lass es bleiben.

Alles Liebe, deine …

Jessi